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Schwellenländer-Gesamtrisiko

DAVID SEMPLE: Ich glaube, das Gesamtrisiko im Zusammenhang mit China stellt sich durchaus als Frage. Möglicherweise ist manchen Menschen nicht alles bewusst, was dort wirklich vor sich geht. Natürlich konzentrieren wir uns einfach auf das, was bei den Unternehmen passiert. Wenn wir vor Ort sind – und das sind wir häufig –, bekommen wir recht gute Rückmeldungen von den Unternehmen, dass die Dinge ziemlich gut laufen. Man sollte sich also nicht allzu stark auf die Schlagzeilen konzentrieren. Die meisten unserer Unternehmen sind davon nicht betroffen, in erster Linie, weil sie auf die Binnennachfrage ausgerichtet sind. Anders gesagt: Es handelt sich um Unternehmen, die wirklich Waren und Dienstleistungen für chinesische Konsumenten im Reich der Mitte anbieten und sich nicht so sehr auf den Export konzentrieren.

Nur auf die Gesamtzahlen für das Wachstum zu schauen, ist ebenfalls irreführend. Natürlich kann man sagen, dass diese für das Umfeld relevant sind, in dem unsere Unternehmen tätig sind. Aber bei vielen von ihnen sind die verfügbaren Anlagemöglichkeiten deutlich weiter gefasst und abgekoppelt von einer statischen Konjunkturzahl – wobei diese noch nicht einmal zutreffend sein muss. Konzentrieren wir uns also auf die individuellen Ziele oder darauf, was die einzelnen Unternehmen machen, und auf ihre Ergebnisse. Darauf, was sie mit der enormen Nachfrage in China anstellen.

Investieren in die Binnennachfrage: Anta Sports und A-Living

SEMPLE: Eines dieser Unternehmen ist Anta Sports. Das Unternehmen hat seine eigene Marke in China entwickelt, die zwischen Mode und Sportbekleidung angesiedelt ist. Anta Sports ist daneben auch verantwortlich für die Marke Fila in China. Das Unternehmen hat einen interessanten Deal abgeschlossen, bei dem gemeinsam mit anderen Investoren ein in Finnland ansässiges Unternehmen übernommen wurde, das einige wohlbekannte Marken wie Wilson, Salomon, Atomic, Arc'teryx und weitere mehr besitzt. Nun bringen sie diese in China zum Einsatz und ich glaube, das wird sehr, sehr spannend werden. Ein Aspekt des Konsums in China ist nämlich, dass die Menschen dort sehr optimistisch sind mit Blick auf Sport- und Freizeitkleidung (als Mischform auch bezeichnet als „Athleisurewear“). Anta Sports steht bei diesem Trend an vorderster Front. Das ist also ein interessantes Unternehmen für uns, das sich gut entwickelt hat.

Ein weiteres Beispiel stammt aus dem Immobiliensektor. Normalerweise ist der Bereich der Immobilienentwicklung etwas zu zyklisch für uns, sodass wir uns meist von diesem Sektor fernhalten. Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, aber dieser Bereich ist etwas zu unbeständig für uns. Bei der Immobilienverwaltung sieht die Lage jedoch ganz anders aus. Mit der Immobilienverwaltung setzen wir auf den vorhandenen Gebäudebestand in China und wir besitzen ein Aktien von A-Living. An A-Living sind zwei der größten Immobilienentwickler in China beteiligt.

A-Living hat über diese Mehrheitseigner nicht nur Zugang zu einem konstanten Strom an neuen Immobilien, sondern auch zu Liegenschaften von dritten Entwicklungsgesellschaften. Der Kundenbindungsfaktor ist sehr hoch. Es ist für die Eigentümer der Immobilien dabei sehr schwierig, Immobilienverwaltungsgesellschaften zu wechseln. Somit kann A-Living seine Gebühren im Laufe der Zeit anheben, besonders bei den wertschöpfenden Leistungen für die eigentlichen Eigentümer einer Immobilie, den sogenannten „Community value-added services“. Es ist also ein guter und sehr sichtbarer Ausdruck der Entwicklungen in China im Bereich der Immobilienverwaltung und die Zukunftsaussichten sind recht ansehnlich.

Marktausblick 2020

SEMPLE: Mit Blick auf das kommende Jahr und auf die Frage, ob wir den Ausblick für die gesamte Anlageklasse positiv oder negativ einschätzen, sollte man von der Grundannahme ausgehen, dass das Gesamtrisiko bleibt. Was meiner Meinung nach weiterhin Gültigkeit haben wird, ist die Gabelung bei der Technologie. In China gibt es eindeutig den Trend, viele eigene Technologien zu entwickeln, und das dürfte auch künftig so bleiben. Die Anlageklasse dürfte daher weiter in den Schlagzeilen stehen, aber es gibt einen Aspekt, den wir in diesem Zusammenhang ansprechen müssen: den US-Dollar. Ein starker Dollar in den letzten zwei Jahren hat sicherlich einige der Vorteile oder Ergebnisse verschleiert, welche die Schwellenländer in Lokalwährung erzielt haben. Ich bin zwar keine Devisenstratege, aber für die Zukunft kann man sicherlich optimistisch sein, dass der US-Dollar nicht mehr so stark sein wird wie in den letzten Jahren, oder noch stärker wird. Und wenn dieser Fall eintreten sollte, wird sich die Anlageklasse der Schwellenländer recht gut entwickeln.

Einige der Proteste in den Schwellenländern, besonders in Hongkong und zuletzt in Chile sowie in anderen Ländern wie zum Beispiel Bolivien, die für Anleger in Schwellenländern aber weniger relevant sind, führten zu Besorgnis. Vorerst ist aber kaum vorstellbar, dass China in diesem Kontext mit aller Härte vorgehen wird. Andererseits scheint die Regierung von Hongkong die Situation aber nicht vollständig unter Kontrolle zu haben. Die Lage hat jedoch keine Auswirkungen auf die Positionen in unserem Portfolio. Wir haben keine für Hongkong spezifischen Unternehmen, dennoch steigt die allgemeine Angst. Wenn beim Handelsstreit eine Lösung gefunden werden kann, falls ein Phase-1-Abkommen abgeschlossen und die nächste Phase angegangen wird und der US-Dollar nicht abenteuerlich stark tendiert, dann dürfte den Schwellenländern ein ordentliches Jahr bevorstehen.