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Jenna Dagenhart: Hallo und herzlich willkommen bei Asset TV. Heute sprechen wir mit Joe Foster, Portfoliomanager der Goldstrategie von VanEck, über seinen Ausblick zur Jahresmitte. Herr Foster, was steckt hinter der aktuellen Entwicklung des Goldpreises? Wie konnten wir zu 1.800 USD je Feinunze gelangen?


Joe Foster: Nun, die aktuelle Entwicklung nahm bereits 2019 ihren Anfang, als die US-Notenbank Fed den Leitzins senkte und damit bei den meisten Marktbeobachtern für eine gewisse Überraschung sorgte. Dies führte offensichtlich zu rückläufigen Zinsen. Bezogen auf Gold kam es sogar zu negativen realen Zinsen. Wenn die Zinsen bereinigt um die Inflation, d. h. real gesehen, negativ sind, war dies für Gold schon immer ein hervorragendes Umfeld. Gold wird somit gegenüber anderen zinstragenden Vermögenswerten wie Anleihen, Spareinlagen bei der Bank sowie ähnlichen Anlagen konkurrenzfähig. Daher schichten die Anleger derzeit ihr Geld aus diesen Anlageformen auf Gold um.


Darüber hinaus musste die Fed im vergangenen Jahr dem Repo-Markt wieder auf die Beine helfen, während allgemein die finanziellen und wirtschaftlichen Risiken zugenommen haben. Mit der Pandemie sind diese Risiken offensichtlich weiter gestiegen. Aus diesen Gründen waren im vergangenen Jahr sehr starke Goldpreise zu verzeichnen.


Jenna Dagenhart: Sie gehen davon aus, dass Gold in den nächsten sechs bis zwölf Monaten die Marke von 2.000 USD erreichen wird. Was müsste Ihrer Meinung nach geschehen, damit der Goldpreis dieses Niveau erreicht?


Joe Foster: Nun, aktuell besteht an den Märkten derart viel Unsicherheit in finanzieller und sonstiger Hinsicht, dass es viele Risiken gibt, die im kommenden Jahr eine Rolle spielen und meiner Meinung nach den Goldpreis nach oben treiben werden.


Erstens befinden wir uns inmitten einer Rezession. Noch ist unklar, wie lang oder wie schwer diese Rezession ausfallen wird. Darüber hinaus ist die Arbeitslosigkeit hoch. Viele Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Arbeitslosenraten 2021 im zweistelligen Bereich verharren werden. Wahrscheinlich wird es zu mehr Pleiten und Insolvenzen bei Unternehmen, wie auch bei Konsumenten oder Privathaushalten kommen. Einige der Regierungshilfen laufen bald aus, was einige Haushalte in eine sehr schwierige Situation bringen wird. Wir hoffen auf eine Heilung in Bezug auf die Pandemie. Wann diese kommen wird, d. h. wann wir über einen funktionierenden Impfstoff verfügen werden, ist unklar.


Und schließlich stehen im November in den USA Wahlen an. Je nach der eigenen politischen Einstellung ist entweder der eine oder der andere Kandidat für die Wirtschaft besser oder schlechter. Unseres Erachtens bestehen aber sowohl für Demokraten als auch für Republikaner künftig Risiken, wenn es darum geht, die Pandemie zu kontrollieren und der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen.


All diese Risiken werden meines Erachtens in den kommenden sechs bis zwölf Monaten zu einem Goldpreis von 2.000 USD führen, der unter Umständen sogar noch viel höher ausfallen könnte.


Jenna Dagenhart: Die Mehrheit der Mittelzuflüsse in den Goldsektor seit Jahresanfang erfolgte bislang über börsengehandelte Edelmetallprodukte (ETPs), die in Goldbarren investieren. Sollten Anleger Ihrer Meinung nach in diesem Bereich investieren?


Joe Foster: Im gegenwärtigen Umfeld ist ein gewisses Goldengagement als Art der Portfolioabsicherung sicherlich erstrebenswert. Der Großteil des Geldes ist bislang in ETFs mit Engagements in Goldbarren geflossen, und weniger in Goldaktien, aber letztere bieten einen hervorragenden Zugang zum Goldmarkt. Unseres Erachtens sind Goldaktien zum gegenwärtigen Zeitpunkt besonders attraktiv. Sie weisen gegenüber dem Goldpreis einen Hebel auf und erzielen daher eine Outperformance, wenn dieser steigt. Zudem generieren diese Unternehmen immer höhere Ertragsmargen. Sie schütten auch immer mehr Dividenden aus. In finanzieller Hinsicht sind sie stark aufgestellt. Sie weisen einen sehr vorteilhaften Verschuldungsgrad auf. Abgesehen davon sind diese Aktien derzeit unterbewertet. Sie werden aktuell zu Bewertungen gehandelt, die unter ihren historischen Niveaus liegen. Aus diesem Grund erachten wir Goldaktien als hervorragende Art des Engagements im Goldsektor.


Jenna Dagenhart: Andererseits war die bisherige Wertentwicklung von Goldaktien bereits berauschend. Ist es mittlerweile für die Anleger zu spät, auf den fahrenden Zug aufzuspringen?


Joe Foster: Das muss man im jeweiligen Kontext sehen. Der Goldpreis ist ebenfalls gestiegen, weshalb diese Unternehmen wesentlich rentabler geworden sind. Wenn man sich die Performance von Gold und von Goldaktien 2020 in einem historischen Kontext betrachtet, stellen wir fest, dass Gold in der ersten Jahreshälfte 2020 um 17% gestiegen ist, während der Index für Goldminen mit 25% im Plus liegt. Letztere haben folglich eine Outperformance erzielt, die indes im historischen Vergleich nicht allzu hoch ausfällt.


Joe Foster: So stieg Gold im Jahr 2009, genauer gesagt in der ersten Jahreshälfte 2009 nach der globalen Finanzkrise, um 5%, während Goldminenbetreiber mit 13% rentierten. In diesem Zeitraum tendierten Minen also doppelt so stark wie der Goldpreis selbst. Ein Blick auf die erste Jahreshälfte 2016, den Beginn der gegenwärtigen Goldhausse, zeigt, dass Gold mit 25% im Plus lag, während Goldminen sage und schreibe 102% erzielten.


Im Hinblick auf die Größenordnung der diesjährigen Preisentwicklung befinden wir uns nicht einmal annähernd bei den Niveaus vergangener Zyklen oder ähnlicher historischer Zeiträume. Wir glauben daher, wie bereits angedeutet, dass diese Aktien derzeit unterbewertet sind und viel Spielraum für eine Kurserholung bei steigenden Goldpreisen besteht.


Jenna Dagenhart: Wo sehen Sie aufgrund dessen Anlagechancen unter Goldminen?


Joe Foster: Es gibt Gelegenheiten je nach Größe und Art der ins Auge gefassten Unternehmen. Wir unterteilen den Goldsektor in große Unternehmen, solche des mittleren Marktsegments und Neuzugänge. Bei den großen Mitspielern lässt sich kaum Wachstum vorfinden. Sie erschließen weltweit keine neuen Goldminen, allerdings bietet ihr Ertragswachstum Wertpotenzial. Sie expandieren derzeit ihre Margen aufgrund des steigenden Goldpreises. Sie schütten außerdem immer höhere Dividenden aus. Somit steigern sie ihre Aktionärsrenditen. Für diese Art von Wertschöpfung lohnt es sich also, in einige der großen Goldminen zu investieren.


Am anderen Ende des Spektrums wären indes die Jungspunde unter Umständen eine Anlage wert. Sie suchen nach dem nächsten Goldvorkommen. Von dieser Art von Unternehmen gibt es viele. Die Aktienauswahl ist da sehr wichtig, aber hier handelt es sich um diejenigen Unternehmen, die neue zukunftsträchtige Erschließungsprojekte vorantreiben. Unlängst konnten wir bei einigen von ihnen sehr interessante Explorationserfolge beobachten, allen voran in Australien. Bei ihnen handelt es sich um expandierende Unternehmen mit Erschließungserfolgen und wachsender Produktion, und für diese Art von Engagement ziehen wir kleinere Unternehmen vor.


Jenna Dagenhart: Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Foster. Es ist toll, dass Sie heute zu uns kommen konnten.


Joe Foster: Danke, Jenna.


Jenna Dagenhart: Und vielen Dank fürs Zuschauen! Das war Joe Foster, Portfoliomanager der Goldstrategie bei VanEck, und ich bin Jenna Dagenhart von Asset TV. Um regelmäßig Einsichten der Experten von VanEck zu erhalten, können Sie uns unter vaneck.com/ucits/subscribe abonnieren.