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Jenna Dagenhart: Hallo und danke, dass Sie sich dieses Ausblick-Interview mit Jan van Eck, dem CEO von VanEck, ansehen. Jan, schön, dass Sie bei uns sind. Alle Augen scheinen in diesen Tagen auf den Bitcoin gerichtet zu sein, nachdem er zum ersten Mal die Marke von 50.000 USD überschritten hat. Wie erklären Sie sich diese Rallye? Und ist sie nachhaltig?


Jan van Eck: Ja, Jenna, ich denke, es gibt zwei Dinge, die diese Rallye wirklich zu einem anderen Bullenmarkt für Krypto als 2017 machen. Erstens können Sie Zinsen auf den Bitcoin verdienen. In diesem Bereich geschehen Dinge, die den Menschen einfach nicht bewusst sind. Wenn Sie also nur dafür, dass Sie Bitcoins bei einigen dieser Anbieter in Verwahrung geben, 6–10% Zinsen pro Jahr verdienen können, wird das eine Menge Kapital anziehen. Und das ist – glaube ich – den Menschen nicht bewusst, und es wird mehr Geld in diesen Bereich fließen.


Jan van Eck: Und zweitens hat die Infrastruktur, die den Aufbau einer, wie ich es nenne, „Crypto Wall Street” ermöglicht, in den letzten drei Jahren große Fortschritte gemacht – und damit auch die Fähigkeit dieser digitalen Assets, die eigentlich nur Software sind, Finanzkontrakte wie Optionen und Futures zu verarbeiten. Es funktioniert nicht nur die Logik, die 2017 Theorie war, sondern man hat sich auch auf Datenquellen geeinigt, was wirklich wichtig ist. Wenn Sie eine Option zum Kauf von Öl zum Preis von 50 USD abschließen, wollen Sie wissen, dass diese 50 USD ein Preis sein werden, auf den sich alle einigen können und der nicht manipuliert wird. Die Tatsache, dass man mit Bitcoins Zinsen verdienen kann, und die weitere Entwicklung dieser Crypto Wall Street bedeuten also meiner Meinung nach, dass wir ein anderes Akzeptanzniveau haben, und anders als 2017 sehen Sie jetzt viele Privatanleger und Institutionen, die Bitcoins für ihre Portfolios kaufen.


Jenna Dagenhart: Apropos Akzeptanz im ETF-Bereich: Kanada hat gerade seinen ersten Bitcoin-Fonds aufgelegt. Ein großer Schritt nach vorne für Nordamerika. Der von VanEck vorgeschlagene Bitcoin-ETF wird derzeit von der SEC geprüft. Warum denken Sie, dass der ETF-Wrapper für den Bitcoin Sinn macht?


Jan van Eck: Es ist wirklich nur eine Frage der Bequemlichkeit. Das ist so ähnlich wie bei Goldbarren-ETFs. Sie müssen sich nicht selbst um die Verwahrung kümmern. Sie brauchen keine Brieftasche und müssen keine Schnittstelle auf Ihrem PC aufrufen. Und dann auch nur die steuerliche Berichterstattung. Die Leute erstellen jetzt ihre Steuererklärung und erhalten all diese Berichte von ihren Broker-Dealern. Es ist viel einfacher, wenn man nicht noch einen weiteren Bericht einbaut. Es gibt auch einige der regulatorischen Vorteile der Beaufsichtigung durch die SEC und es wird auf einer besser entwickelten Infrastruktur gehandelt. Die Krypto-Börsen haben in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Ich glaube aber immer noch, dass die Market-Making-Infrastruktur an der NASDAQ und der New York Stock Exchange unter dem Gesichtspunkt einer einheitlichen Preisbildung ein wenig zuverlässiger ist.


Jenna Dagenhart: Ich bin froh, dass Sie das ansprechen, denn Sie haben betont, dass der Bitcoin eine Software ist. Man vergleicht das Halten von Bitcoin auch mit dem Halten von Bargeld oder Gold. Was meinen Sie als langjähriger Marktführer im Bereich der Edelmetalle: Wie sollten Anleger über den Bitcoin denken?


Jan van Eck: Ja, wir sagen seit 2017, dass der Bitcoin eines der Hard Assets oder Wertaufbewahrungsmittel sein wird, die Sie in Ihrem Portfolio haben wollen. Silber war in der Vergangenheit so etwas wie das Gold des armen Mannes. Es gibt also einen Präzedenzfall für Leute, die diese Art von Vermögenswert in ihrem Portfolio haben wollen, aber Gold durch etwas anderes ergänzen. Ich denke definitiv, dass der Bitcoin jetzt diesen Status verdient. Es ist das feste Angebot. Und ich spreche darüber als Software, weil ich denke, dass die Leute ein wenig verstehen müssen, welche Risiken damit verbunden sind, bevor sie ihre eigenen Dollars oder die einer Institution einsetzen können. Es handelt sich um eine Open-Source-Software – wie Linux, das schon früher funktioniert hat. Und es ist sehr transparent, aber man muss einfach verstehen, wie das hinter den Kulissen funktioniert, denke ich, um sich wohl zu fühlen und zu verstehen, was die Risiken sind.


Jenna Dagenhart: Nicht gerade eine herkömmliche Bank.


Jan van Eck: Nein.


Jenna Dagenhart: Und wie sieht es nach dem schlechtesten Jahr für die Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg mit dem Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 aus, wenn sich das Leben hoffentlich wieder normalisiert?


Jan van Eck: Unseres Erachtens hatte das Jahr 2020 zwei Seiten: eine schlechte für die Realwirtschaft und eine gute für die Börse. Ich denke, 2021 werden die Renditen an den Finanzmärkten einfach nicht spektakulär ausfallen. Ich nenne sehr ungern eine Zahl, rechne aber für Hochzinsanleihen und Aktien mit Renditen im einstelligen Bereich, was bedeutet, dass die Renditen dieses Jahr vielleicht nicht mehr zulegen werden. Der Gegenwind kommt von den höheren Zinsen.


Jan van Eck: Und wir haben im November gesagt, dass wir den Zehnjahreszins bei 1,5–2% sehen, und das ist einfach nicht gut für Finanzanlagen. Das ist natürlich nicht gut für Anleihen, aber auch nicht super für Wachstumsaktien. Ich halte es aber auch nicht für katastrophal. Ich glaube, dass man bei Aktien gut aufgehoben ist. Meiner Meinung nach werden einige dieser Hyper-Wachstumsaktien wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Aber ja, schrauben Sie einfach Ihre Erwartungen an die Wall Street für 2021 herunter.


Jenna Dagenhart: Und schließlich, Jan, habe ich das Gefühl, dass ich heutzutage kein Interview führen kann, ohne dass die Inflation zur Sprache kommt. Was erwarten Sie in puncto Inflation? Und wie wird sie sich Ihrer Meinung nach auf die Rohstoffe auswirken?


Jan van Eck: Wir haben keine Hausmeinung zur Inflation, aber es gibt zwei Arten von Inflation, würde ich sagen: eine Rohstoffinflation und eine Art echte VPI-Inflation. Die Rohstoffinflation ist Realität. Ich habe gesagt, die Weltwirtschaft ist superstark. Das erklärt die höheren Zinsen und die haussierenden Rohstoffe. Und ich weiß nicht, ob man es einen Superzyklus nennen würde, aber sie sind auf Siebenjahreshochs. Meines Erachtens sind die Rohstoffunternehmen diszipliniert und werden den Markt nicht überversorgen. Daher denke ich, dass die Preise über das gesamte Rohstoffspektrum hinweg hoch bleiben werden. Deshalb schauen die Anleger meines Erachtens zu Recht auf die Rohstoffinflation. Ob sich all diese Stimuli in einer höheren Lohninflation niederschlagen, ist immer schwer zu sagen. Das ist also eine andere Dimension, aber ich denke, dass die Rohstoffe sicherlich von all den Impulsen, die zurzeit gesetzt werden, profitieren und dies auch weiterhin tun werden.


Jenna Dagenhart: Es ist immer toll, mit Ihnen zu sprechen, Jan. Vielen Dank für das Gespräch.


Jan van Eck: Schön, Sie zu sehen.


Jenna Dagenhart: Und danke, dass Sie sich das Ausblick-Interview mit CEO Jan van Eck angesehen haben. Ich bin Jenna Dagenhart von Asset TV. Um regelmäßig Einblicke der Experten von VanEck zu erhalten, können Sie uns unter vaneck.com/ucits/subscribe abonnieren.