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NATALIA GURUSHINA: Hallo und herzlich willkommen zum vierteljährlichen Ausblick von VanEck. Mein Name ist Natalia Gurushina. Ich bin Volkswirtin für die Schwellenländer und werde heute mit Jan van Eck, Chief Executive Officer des Unternehmens, sprechen.

 

Herr van Eck, meine erste Frage ist wie üblich die kürzeste und einfachste: Was ist den Sommer über passiert? Und welche Schlüsse sollten Anleger daraus ziehen? Es gab eindeutig einen kräftigen Anstieg bei den Emissionen von Anleihen mit negativen Renditen. Zugleich waren hohe Goldpreise zu beobachten.

 

JAN VAN ECK: Ja, das stimmt. Das wichtigste Ereignis an den Märkten waren sicherlich die negativen Zinsen in Europa. Bei alternativen Investments sorgte dies bereits für eine gewisse Begeisterung, und gleichzeitig durchbrach Gold einen sehr wichtigen technischen Widerstand. Bitcoin hatte ebenfalls ein gutes Jahr. Dies ist eine Zeit, in der sich Anleger gegenüber den Unsicherheiten der Zentralbanken absichern sollten. Denn das ist es, worum sich die Marktteilnehmer auf zwei Ebenen wirklich sorgen. Erstens: Gold steht immer in Konkurrenz mit festverzinslichen Anlagen. Und hohe Zinsen sind hart für Gold, weil das Edelmetall keinerlei Rendite bietet. Gold glänzt vor dem Hintergrund negativer Zinsen und die Anleger freuen sich sehr darüber.

 

Ich glaube, sie sorgen sich aber auch ein wenig um die Wirksamkeit der Maßnahmen bei den Zentralbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat für die Konjunktur immer wieder Anreize geboten, doch unterm Strich schwächt sich das Wirtschaftswachstum in Europa ab. Ich denke, dass diese Sorge besteht. Auf der anderen Seite wiederum beeinflussen die Zentralbanken durchaus die Konjunktur. Wenn ihre Maßnahmen auf gute fiskalische Aktivitäten treffen – wie in Japan – können sie einen Unterschied bewirken. Aber das hat die Anleger nur unruhig gemacht. Womit wir beim wichtigsten Punkt wären: investieren. Mit Blick auf die Zukunft sollten Anleger ihre Allokation in Gold und ihre Absicherung gegenüber Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Zentralbanken auf den Prüfstand stellen. Das gilt es als aller Erstes zu tun. Dieser Faktor sollte bis ins Jahr 2020 hinein berücksichtigt werden.

 

GURUSHINA: Ja. Eines ist klar: Der sogenannte „Unterbietungswettlauf“ der maßgeblichen Zentralbanken hat eine zusätzliche Nachfrage nach festverzinslichen Anlagen geschaffen. Meine Frage an Sie lautet also: Wie sollten Anleger damit umgehen? Regiert hier nur die Angst? Oder steht die Habgier im Vordergrund?

 

VAN ECK: Es gibt so viele Dinge, um die man sich sorgen kann. Aber Anleger sollten bei ihren festverzinslichen Portfolios keine allzu konservative Haltung einnehmen. Das ist meine größte Sorge. Wenn man hört, „Oh nein, die Zinsen fallen, das heißt, dass es 2020 zu einer weltweiten Rezession kommen muss“, oder, „China dies …“ dann herrscht die Tendenz vor, sich in festverzinslichen Portfolios mit sehr kurzfristigen Titeln zu engagieren. Daraus resultieren sehr niedrige Renditen und das ist meiner Meinung nach absolut falsch. Lassen Sie mich zwei Gegenargumente nennen. Erstens, auf der Anleihenseite, warum möchten Sie in Unternehmensanleihen investieren? Hochzinstitel? Warum? Ich glaube nämlich nicht, dass die Welt zusammenbricht. Die Rohstoffpreise sind zugegebenermaßen etwas schwach. Und die Konjunktur in China macht keine Luftsprünge. Aber das Reich der Mitte kollabiert auch nicht. Abgesehen von Europa (und den wachsenden USA) bin ich nicht sicher (und der Vollbeschäftigung an vielen Orten der Welt), ich bin wirklich nicht sicher, welche Bedenken man hinsichtlich einer normalen Allokation in Unternehmensanleihen haben könnte. Das gilt es als aller Erstes zu tun.

 

Schwellenländer-Anleihen sind als Anlageklasse in diesem Sommer meiner Meinung nach attraktiver geworden. Mir gefiel dieses Segment bereits vor einem Jahr. Attraktive Renditen und die Preise sind deutlich gefallen, also konnte man relativ günstig einsteigen. Vielleicht erinnern Sie sich, dass es im Schlussquartal des Vorjahrs keine Korrelation mit US-Aktien gab. Klingt nach einem guten Gleichgewicht für Ihr Portfolio. Inzwischen gibt es sogar etwas Positives über diese Anlageklasse zu berichten. In Brasilien sind wachstumsfördernde Reformen umgesetzt worden und die Rentenreform wurde gerade abgeschlossen. Brasilien nimmt in Südamerika damit sicherlich eine Vorreiterrolle ein. Und Indien hat überraschenderweise vor Kurzem eine Senkung der Unternehmenssteuern angekündigt. Das wird die Konjunktur kräftig ankurbeln. Ich glaube, dass die Stimmung bei Schwellenländer-Anleihen nun etwas positiv ist und ich bin optimistisch. Gleichzeitig sprechen auch Bewertungsargumente für diese Titel.

 

GURUSHINA: Ja. Aus der Sicht einer Ökonomin für die Schwellenländer denke ich, dass einige der Industrienationen vermutlich etwas darüber lernen könnten, wie Strukturreformen umgesetzt werden. In der entwickelten Welt wird auf diesem Gebiet zu wenig getan. Könnten Sie nochmal auf China zurückkommen? Sie haben gesagt, dass die Wirtschaft in China zwar nicht boomt, dass die Lage aber nicht als kritisch zu bewerten ist. Im Zuge der Handelsspannungen, des Handelskriegs war viel Gerede zu hören. Wie schätzen Sie die Situation ein?

 

VAN ECK: Nun, in diesem Sommer stand der Handelskrieg groß in den Schlagzeilen. Und das Thema wird vermutlich weiter die Schlagzeilen beherrschen. Meine Überzeugung ist: Man sollte die Politik in seinem Portfolio ignorieren. Das ist eine langfristige Wahrheit, die ich seit meinem Brancheneinstieg vor mehr als zwei Jahrzehnten gelernt habe. Politische Ereignisse lassen sich nicht vorausahnen, und genau das konnte man in diesem Sommer wiederholt beobachten. Man weiß nie, was Donald Trump zum Handelskrieg twittern wird. Genauso wenig weiß man, wie eine Wahl in Argentinien ausgehen wird. Diese Umfrage überrascht alle Marktteilnehmer. Und dann gab es den militärischen Angriff auf die Erdölanlage in Saudi-Arabien.

 

Man kann einfach kein Portfolio auf der Grundlage von politischen Risiken aufbauen. Das ist einfach zu schwierig. Nachdem wir über etwas in der Zeitung gelesen haben ... wenn es in Ihrem Portfolio ist, ist es bereits zu spät. Ich glaube ein weiterer politischer Aspekt, der häufig in Diskussion über Portfolios einfließt, ist ESG (Umwelt, Soziales, Governance). Ich würde in dieser Hinsicht zur Vorsicht mahnen, und wir forschen viel auf diesem Gebiet. Angesichts der vorhandenen Daten lässt sich zwischen den Unternehmen kaum abwägen und auch ein umfassendes Research ist sehr schwierig. Ich würde davor warnen, diese beiden Aspekte übermäßig zu politisieren: den Handelskrieg und ESG.

 

GURUSHINA: Ja. Und in Bezug auf China sollte wahrscheinlich erwähnt werden, dass vor allem die Geldpolitik meiner Meinung nach bislang relativ begrenzt eingesetzt wurde. Seitens der Zentralbank besteht kein starker Impuls, das System mit günstigen Krediten zu überfluten. Das ist meiner Ansicht nach sehr lobenswert.

 

VAN ECK: Das stimmt. Das könnte zwar ein geringeres, dafür aber stabileres Wachstum bedeuten.

 

GURUSHINA: Und ein qualitativ höherwertiges Wachstum.

 

VAN ECK: Und das ist gut. Für die Anleger im festverzinslichen Bereich sind es gute Nachrichten.

 

GURUSHINA: Fantastisch. Herr van Eck, vielen Dank. Und Ihnen vielen Dank fürs Anschauen. Weitere Informationen und Einblicke von VanEck-Experten finden Sie unter vaneck.com/ucits/subscribe.