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Ernte 2026: Anbauprodukte, Maschinen und Innovationssignale aus der EU für die Agrarwirtschaftsmärkte

15 Oktober 2026

Berichte des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) vom 9. Oktober deuten auf eine gute Ernte in den USA hin. Die Prognosen gehen bei der Maisproduktion von 16,03 Milliarden Bushel, dem zweithöchsten jemals verzeichneten Wert, und bei Sojabohnen von einem neuen Rekordwert mit 4,56 Milliarden Bushel aus.12026/27 stiegen die Endbestände an Mais auf 1,849 Milliarden Bushel, was einem Anstieg von 282 Millionen gegenüber September entspricht, während die Sojabohnenendbestände bei 315 Millionen liegen.2Im Rahmen der Ernte werden Erntemengen und -preise in landwirtschaftliche Erträge überführt, die wiederum die Ausgaben für Saatgut, Düngemittel und Maschinen in den nächsten 12 bis 18 Monaten beeinflussen.

Warum die Erntesaison für die Agrarwirtschaft entscheidend ist

Die Ernte bestimmt den Ertrag landwirtschaftlicher Betriebe als Produkt aus Menge und Preis, und mit diesem Ertrag werden die Einkäufe für die nächste Saison finanziert. Sobald die Ernte eingebracht ist, folgen drei Arbeitsschritte in schneller Abfolge:

  • Das Getreide wird transportiert. Getreidespeicher, Getreidemühlen und Exporteure wickeln einen Großteil des Jahresvolumens ab – diese Phase ist für Verarbeitungsunternehmen wie Archer-Daniels-Midland und Bunge entscheidend.
  • Es wird Dünger ausgebracht. Der Herbst ist eine wichtige Phase für die Ausbringung von Stickstoff, Phosphat und Kalium in Vorbereitung auf dss nächsten Frühjahrs und damit eine wegweisende Zeit für Hersteller wie Nutrien, CF Industries, Mosaic und Yara.
  • Die Budgets werden festgelegt. Nachdem die Ernte verkauft oder eingelagert ist, entscheiden die Landwirte, welche Beträge sie für Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Maschinen für das kommenden Jahr ausgeben wollen.

Die USA als globaler Indikator

Die Vereinigten Staaten sind der weltweit größte Maisproduzent und neben Brasilien einer der beiden führenden Sojabohnen-Exporteure. Infolgedessen hat die US-Ernte maßgeblichen Einfluss auf die weltweite Getreidebilanz, die Exportpreise und die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Betriebsmitteln. Die Ernte 2026 war sehr erfolgreich. Laut dem Erntebericht des USDA vom September wird die Maisernte auf 15,8 Milliarden Bushel geschätzt, was der zweithöchsten jemals verzeichneten Ernte entspricht, obwohl die Erträge mit 178,5 Bushel pro Acre unter dem Vorjahresrekord liegen. Die Sojabohnenproduktion wird auf 4,53 Milliarden Bushel geschätzt, was einem Anstieg von 6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht und zu einem neuen Rekordwert führen könnte.3Auch die Preise haben sich gefestigt: Das USDA hat seinen durchschnittlichen Maispreis für die Saison 2026/27 auf 4,80 USD pro Bushel und den für Sojabohnen auf 12,00 USD angehoben.4

Zusammen sorgen höhere Mengen und Preise für einen Anstieg der Ernteerlöse: Das USDA rechnet für 2026 mit einem Anstieg der Gesamteinnahmen aus dem Verkauf von Getreide um 6,1 % auf 253 Milliarden US-Dollar, mit einem Zuwachs bei Mais um 11,3 % und bei Sojabohnen um 10 %. Höhere Düngemittel-, Kraftstoff- und Finanzierungskosten belasten weiterhin die Margen, und das Nettoeinkommen landwirtschaftlicher Betriebe wird auf 158,4 Milliarden US-Dollar geschätzt, was leicht unter dem Wert von 2025 liegt.5Höhere Ernteerlöse könnten die Ausgaben landwirtschaftlicher Betriebe stützen, auch wenn höhere Kosten diesen Effekt möglicherweise einschränken.

Die Handelspolitik bleibt jedoch eine Quelle der Unsicherheit. Am 28. September kündigte China an, die Zölle auf eine breite Palette von US-Agrarprodukten zu senken, darunter Mais, Weizen, Fleisch, Milchprodukte, Sojaöl und Sojamehl. Ausgenommen waren jedoch Sojabohnen, Chinas größter Agrarimport aus den USA, für die weiterhin ein zusätzlicher Zoll von 10 % gilt.6

Anzeichen für einen konjunkturellen Tiefpunkt bei landwirtschaftlichen Maschinen

Am deutlichsten zeigt sich der Abschwung bei der Nachfrage nach Ausrüstung. Landwirte können den Kauf von Maschinen aufschieben, sodass die Umsätze stärker von den Gewinnen und Kosten der landwirtschaftlichen Betriebe abhängen als von den Erntepreisen. Eine im September von der Creighton University durchgeführte Umfrage unter Banken in ländlichen Gebieten ergab einen Indexwert für den Absatz von landwirtschaftlichen Maschinen von 25,0, was ein leichter Anstieg gegenüber den 22,2 im August ist. Der Index liegt jedoch weiterhin unterhalb der zwischen Wachstum und Rückgang trennenden Marke von 50, und das bereits im 37. Monat in Folge.7Deere rechnet weiterhin damit, dass der Umsatz im Bereich der Großlandwirtschaft in den USA und Kanada im Geschäftsjahr 2026 um 15 % bis 20 % zurückgehen wird.8

Gleichzeitig bilden sich die Voraussetzungen für eine Erholung. Die Hersteller haben zwei Jahre lang ihre Produktion und Lagerbestände reduziert. In den USA liegen die Lagerbestände an Landmaschinen rund 22 % unter ihrem Höchststand von Ende 2022.9

Lagerbestände der Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte insgesamt

Quelle: Gesamtbestände der Hersteller: Herstellung von landwirtschaftlichen Maschinen und Ausrüstungen. (2026). Stlouisfed.Org.

Nach Angaben der Unternehmensleitung von Deere dürfte das Jahr 2026 den zyklischen Tiefpunkt im Großlandwirtschaftsgeschäft markieren. Die Vorbestellungen für Sämaschinen und Sprühgeräte liegen über Vorjahresniveau.10Bei den kleineren Geräten sind bereits Verbesserungen zu verzeichnen: Aufgrund der besseren Wirtschaftslage in der Viehwirtschaft verzeichnete Deere im Bereich „Small Ag & Turf“ im letzten Quartal einen Umsatzanstieg von 12 %.11

In den „Global Farmer Insights 2026“ von McKinsey, einer Umfrage unter 5.500 Landwirten in 10 Ländern, finden sich Anzeichen für eine aufgeschobene Nachfrage. Nur 16 % der Landwirte nennen Maschinen als den Bereich, in dem sie als Erstes ihre Ausgaben kürzen würden, während 36 % davon ausgehen, dass sie diesen Bereich bei Gewinnerholung als Erstes finanzieren werden. Dies ist die größte positive Trendumkehr bei allen Ausgabenkategorien.12McKinsey weist darauf hin, dass sich die Nachfrage nach Maschinen bei einer Verbesserung der Rentabilität möglicherweise stärker erholen wird, da ihr Kauf aufgeschoben werden kann.

Die Konsensprognosen bilden diesen Trend ab. Der Umsatz einer gewichteten Gruppe von Landmaschinenherstellern, darunter Deere, CNH Industrial, AGCO und Kubota, ging in den letzten drei Jahren um 3,8 % pro Jahr zurück, soll jedoch im nächsten Geschäftsjahr um 4,3 % und im darauf folgenden Jahr um 6,7 % steigen. Bei Deere dürfte der Umsatz um 5,6 % und anschließend um 8,2 % steigen, während für CNH im zweiten Prognosejahr ein Umsatzwachstum von 10,3 % prognostiziert wird.13

Laut dem „Agribusiness Atlas 2026“ ist die Branche stark konzentriert: Auf die vier größten Landmaschinenhersteller entfällt ein Anteil von 43 % des Weltmarktes.14Deere, der Marktführer, steigerte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 seine Umsatzerlöse und sonstigen Erträge um 7 % auf 35,6 Milliarden US-Dollar und hob seine Prognose für den Jahresüberschuss an.15Auch führende Unternehmen expandieren in den Bereich der digitalen Landwirtschaft. Plattformen wie das John Deere Operations Center und „Climate FieldView“ von Bayer – letztere wird auf einer Fläche von 90 Millionen Hektar eingesetzt – verknüpfen Maschinen mit Felddaten und gelten als zunehmend wichtige Gewinnquellen.16

Jenseits der Maschinen: Europa öffnet sich für genetisch modifizierte Nutzpflanzen

In Europa hat das Europäische Parlament am 17. Juni 2026 neue Vorschriften für mit NGT (Neue Genomische Techniken) entwickelte Pflanzen verabschiedet. Diese Vorschriften treten am 17. Juli 2026 in Kraft. Was bedeutet das konkret? Nehmen wir einen schädlingsresistenten Apfel: Bei einer normalen Züchtung ohne komplexe genetische Mutationen würde es 15 bis 50 Jahre dauern, diesen zu entwickeln, während die Entwicklungszeit mit NGT dagegen nur 5 bis 8 Jahre beträgt.17Vor Inkrafttreten des neuen NGT-Gesetzes stufte der Europäische Gerichtshof im Jahr 2018 Organismen, die durch neuere Mutageneseverfahren – einschließlich des Gene Editing – gewonnen wurden, als genetisch veränderte Organismen (GVO) ein.18  Bevor ein GVO vermarktet werden darf, muss er eine strenge, fallbezogene Sicherheitsprüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit durchlaufen, was den Einsatz in Europa erschwert und zeitaufwändiger macht, während andere Länder wie Brasilien diese Technologie bereits kommerziell nutzen. Unterdessen konkurrierten die europäischen Landwirte um Anteile am Markt, beispielsweise mit brasilianischen Landwirten19, deren gentechnisch veränderte Pflanzen weniger strengen Sicherheitsprüfungen unterliegen.

Quelle: Verordnung (EU) 2026/1388 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Juni 2026 über mit bestimmten neuen genomischen Techniken gewonnene Pflanzen und die aus ihnen gewonnenen Erzeugnisse sowie zur Änderung der Verordnung (EU) 2017/625 (Text von Bedeutung für den EWR).

Der Kernpunkt der neuen Rechtsvorschriften betrifft die Einstufung einer Pflanze als NGT-Pflanze, die sowohl für Importpflanzen als auch für in der EU angebaute Pflanzen gilt. Sie werden in zwei Kategorien unterteilt: NGT-Kategorie 1 – hierbei handelt es sich um Pflanzen, die genetische Veränderungen aufweisen, die auch durch konventionelle Züchtung oder auf natürliche Weise entstehen könnten. Diese müssen ein Überprüfungsverfahren durchlaufen und sind anschließend von den herkömmlichen GVO-Vorschriften ausgenommen. Das bedeutet, dass sie wie herkömmliche Pflanzen behandelt werden. Zu Kategorie 2 gehören Pflanzen mit umfangreicheren (komplexeren) genetischen Veränderungen sowie Pflanzen, die so verändert wurden, dass sie herbizidtolerant sind oder bekannte insektizide Substanzen produzieren. Sie unterliegen daher den üblichen GVO-Vorschriften der EU. Dieses neue Rahmenwerk sorgt zudem für Transparenz durch die Kennzeichnung des Saatguts für Pflanzen der Kategorie 1, die GVO-Kennzeichnung für Pflanzen der Kategorie 2 und die Einrichtung einer öffentlichen Datenbank für NGT-Pflanzen.

Nach Angaben der Europäischen Kommission fördern diese neuen Vorschriften Innovation und Nachhaltigkeit und gewährleisten gleichzeitig hohe Gesundheits- und Umweltschutzstandards.20Für europäische Landwirte bedeutet dies, dass sie nun genbearbeitete Pflanzen anbauen können, ohne die zusätzlichen Kosten und Verzögerungen einer vollständigen GVO-Zulassung in Kauf nehmen zu müssen, sofern diese unter Kategorie 1 fallen. Dadurch wird es für europäische Landwirte einfacher, im Wettbewerb mit ihren internationalen Kollegen zu bestehen.

Fazit: Was die Ernte 2026 für die Agrarwirtschaft bedeutet

Insgesamt verbindet die Saison 2026 drei Bereiche der Agrarwirtschaft miteinander. Eine reichhaltige Ernte kann das landwirtschaftliche Einkommen stützen. Das landwirtschaftliche Einkommen wiederum beeinflusst, wie schnell Landwirte wieder Betriebsmittel und Maschinen kaufen. Getreideverarbeiter und Düngemittelhersteller könnten dies als Erste zu spüren bekommen, während die Maschinenhersteller möglicherweise mit einer gewissen Verzögerung nachziehen. Europas Vorgehen in Bezug auf gentechnisch modifizierte Nutzpflanzen ist eine längerfristige Entwicklung, die auf schnellere Innovationen im Saatgutbereich und einen Ausgleich der Wettbewerbsbedingungen für europäische Landwirte hindeuten könnte. Es gibt drei Faktoren, die zu beobachten sich lohnen dürfte: der weitere Ernteverlauf, die Produktions- und Finanzierungskosten sowie die Handelspolitik. Es handelt sich hierbei um Prognosen auf der Grundlage der Daten von Dritten und Annahmen, die Änderungen unterliegen können. Die Lage köönte sich aufgrund von Wetterbedingungen, Rohstoffpreisen, Zöllen, Zinssätzen oder geopolitischen Ereignissen ändern, sodass die tatsächlichen Ergebnisse erheblich von den Prognosen abweichen können.

1 US-Landwirtschaftsministerium, National Agricultural Statistics Service. (9. Oktober 2026). Crop production.

2 US-Landwirtschaftsministerium, Office of the Chief Economist. (9. Oktober 2026). World agricultural supply and demand estimates [Bericht].

3 US-Landwirtschaftsministerium, National Agricultural Statistics Service. (11. September 2026). Crop production.

4 The Farm. (September 2026). September USDA report predicts less corn, more soybeans & milk.

5 Munch, D. (September 2026). USDA revises farm income higher, but costs still bite. American Farm Bureau Federation.

6 Cao, E., Thukral, N., & Jackson, L. (28. September 2026). China to cut tariffs on US farm goods, but list excludes soybeans. Reuters.

7 NAFB News Service. (2. Oktober 2026). Rural Mainstreet Index falls on farm cost concerns. NewsDakota.

8 Market Review. (August 2026). Deere reports $1.38 billion quarterly profit as farm equipment market faces pressure. Deere & Company. (20. August 2026). Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 [Form 8-K].

9 farmdoc daily. (August 2026). Farm machinery demand remains weak as manufacturers manage production. University of Illinois.

10 Investing.com. (August 2026). Deere Q3 2026 slides: Construction strength offsets ag weakness.

11 aginsights. (August 2026). Q3 results: Deere sees 2026 as the bottom of the ag cycle as small ag rebounds ahead of large equipment.

12 McKinsey & Company. (8. September 2026). Global farmer insights 2026.

13 Bloomberg. (2026). Konsensschätzungen: Sales and EPS growth forecasts [Datensatz]. Abgerufen am 1. Oktober 2026 vom Bloomberg-Terminal.

14 Heinrich-Böll-Stiftung, Friends of the Earth Europe, IPES-Food und Association of Ethical Shareholders. (2026). Agribusiness atlas 2026: Facts and figures about the corporations that control what we eat (Seiten 10–11).

15 Deere & Company. (20. August 2026). Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 [Form 8-K].

16 Heinrich-Böll-Stiftung, Friends of the Earth Europe, IPES-Food und Association of Ethical Shareholders. (2026). Agribusiness atlas 2026: Facts and figures about the corporations that control what we eat (S. 30).

17 Europäische Kommission. (2026). EU-Vorschriften zu neuen genomischen Techniken (NGTs) [Informationsblatt].

18 Bartunek, R.-J. (25. Juli 2018). Top EU court: GMO rules cover plant gene editing technique. Reuters.

19 Auslandsdienst des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA Foreign Agricultural Service). (Dezember 2023). Agricultural biotechnology annual: Brazil (GAIN Report No. BR2023-0027).

20 Europäische Kommission. (o. D.) Neue genomische Techniken.

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