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Jenna Dagenhart: Hallo und herzlich willkommen bei Asset TV. Heute können wir mit Roland Morris sprechen, um mehr über seinen Ausblick für Rohstoffe in Erfahrung zu bringen. Er ist Portfoliomanager und Commodity Strategist bei VanEck. Herr Morris, welche Marktfaktoren werden Sie in nächster Zeit genau beobachten?


Roland Morris: Einer der wichtigsten Trends für mich derzeit ist ein Makro-Trend, nämlich die Entwicklung des US-Dollars. Der US-Dollar ist gegenüber seinen im März erklommenen Hochs um rund 10% gefallen. Meines Erachtens handelt es sich hierbei um einen Trend, der anhalten könnte. Und ein schwächerer Greenback ist für das globale Wachstum, die Performance der Schwellenländer und – vielleicht am wichtigsten – bei der Nachfrage nach Rohstoffen sehr, sehr wichtig. Ein schwächerer US-Dollar kann dem globalen Wachstum außerhalb der USA beträchtlichen Aufwind verleihen, denn dadurch verringert sich die Belastung durch auf diese Währung lautenden Schulden weltweit und Volkswirtschaften außerhalb der USA können noch weitere Anreizmaßnahmen ergreifen. Unterdessen besteht ein recht hoher Nachfragestau, besonders im Zuge der COVID-Krise. Für mich ist daher die Entwicklung des US-Dollars wichtig, der meines Erachtens zu einem Abwärtstrend angesetzt hat.


Jenna Dagenhart: Um beim Thema Preise zu bleiben: Wie sieht es mit der Inflation bzw. Deflation aus? Wie behalten Sie diese Faktoren im Auge?


Roland Morris: Nun, auch das wird von Bedeutung sein. Insbesondere wenn es nach der COVID-Krise zu einer wirklich sprunghaften Erholung kommen sollte, vor allem in Anbetracht der von den Zentralbanken bereitgestellten Liquidität und der fiskalischen Unterstützung seitens der Regierungen in den USA und in der Tat andernorts. Weltweit sind die Haushaltsdefizite gestiegen und es wird eine äußerst expansive Geldpolitik verfolgt. Da wäre es sehr angemessen, von einer potenziellen Preisteuerungswelle auszugehen, bei der ein starkes Wachstum mit einer Fed einhergeht, die unlängst ein neues Inflationsziel öffentlich machte und sich verstärkt wieder auf eine stetig niedrigere Arbeitslosigkeit fokussiert. Es wäre durchaus denkbar, dass wir im Verbund mit einer stärkeren Weltwirtschaft, dem Nachfragestau nach COVID, immensen Liquiditätsangeboten und einer starken fiskalpolitischen Unterstützung mit einem deutlichen Anziehen der Inflation rechnen müssen. Meines Erachtens könnte dies in den nächsten zwei bis drei Jahren tatsächlich zu einer überraschend hohen Inflation führen. Für Rohstoffe wäre das offensichtlich sehr gut. Wir befinden uns außerdem seit derart langer Zeit in einer Welt ohne Inflation, dass sich daraus ein großer Stimmungsumschwung am Markt ergeben könnte.


Jenna Dagenhart: Ob nun Inflation oder Deflation – beides könnte für Gold positiv sein.


Roland Morris: Ja. Gold ist eigentlich eine Währungsalternative und ein als sicherer Hafen angesteuerter Vermögensspeicher. Gold könnte daher unter den Rohstoffen ein echtes Win-Win-Szenario darstellen. So ist denkbar, dass wir angesichts all der fiskal- und geldpolitischen Anreize, die bereits zu einem Boom bei den Finanzanlagen geführt haben, eventuell eine Art Finanzblase schaffen. Sollte diese platzen, könnte es zu einem Gegenteil des Inflationsbooms kommen. Dann hätten wir eventuell ein Deflationsproblem. Auch das ist durchaus vorstellbar.


Wir haben uns eigentlich angesichts all dieser Anreize in eine Situation manövriert, in der beides möglich erscheint. Meines Erachtens ist ein Inflationsboom wahrscheinlicher. Allerdings lassen sich finanzielle Probleme, die zu einem deflationären Schock führen könnten, etwa wie im Falle von COVID, nicht ausschließen. Gold entwickelt sich in beiden dieser Szenarios positiv. Es bietet eine hervorragende Absicherung vor Inflation, kann aber auch als sicherer Hafen in Zeiten von Marktstress dienen. Goldanlagen bieten in diesem Umfeld also tatsächlich einen potenziellen Win-Win.


Jenna Dagenhart: Interessant dürften auch die weiteren Entwicklungen im verarbeitenden Gewerbe sein.


Roland Morris: Angesichts all der Anreize weltweit könnte es bei einem Impfstoff wegen des Nachfragestaus nach den Kontaktsperren rund um COVID zu einem starken Aufschwung und weltweit sprunghaften Wachstum kommen. Es besteht also ein hohes Potenzial für verschiedene Szenarios, die meines Erachtens starken Einfluss auf die Märkte nehmen und zu erheblichen Verlagerungen bei den Mittelflüssen der Anleger führen könnten.


Jenna Dagenhart: Zum Schluss möchte ich gerne wissen, welche Rohstoffe Sie bis zum Jahresende basierend auf dem Ausblick für die von Ihnen soeben erwähnten Faktoren am stärksten im Auge behalten werden.


Roland Morris: Fundamental gesehen ist zu erwähnen, dass man über Kupfer immer als „Dr. Kupfer“ spricht. Kupfer ist sehr wichtig. Das Angebot ist begrenzt. Weltweit besteht ein lang währender Trend hin zur Elektrifizierung. Daher profitiert Kupfer von neuen Nachfragefaktoren wie Elektrofahrzeuge, selbstfahrende Autos, Wind- und Solarenergie – all diese Aspekte befördern die Nachfrage nach Industriemetallen, ob nun für Akkus oder nur für Kupferdrähte. Und Kupfer ist wahrscheinlich der beste Rohstoff, den es im Auge zu behalten lohnt, um zu einer Einschätzung über den gesundheitlichen Zustand der Weltwirtschaft zu gelangen. Abgesehen davon ist das Angebot von Kupfer knapp. Zugleich steigt die Nachfrage kontinuierlich.


Jenna Dagenhart: Vielen Dank, Herr Morris, dass Sie sich für uns so viel Zeit genommen haben. Es ist toll, dass Sie heute zu uns kommen konnten.


Roland Morris: Vielen Dank für Ihre Zeit! Und für das nette Gespräch.


Jenna Dagenhart: Und vielen Dank fürs Zuschauen! Das war Roland Morris, Portfoliomanager und Commodity Strategist bei VanEck, und ich bin Jenna Dagenhart von Asset TV. Um regelmäßig Einsichten der Experten von VanEck zu erhalten, können Sie uns unter vaneck.com/ucits/subscribe abonnieren.