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Jenna Dagenhart: Hallo und herzlich willkommen bei Asset TV. Heute ist Jan van Eck – CEO von VanEck – bei uns, um mit uns über seinen Quartalsausblick zu sprechen. Herr van Eck, einige Menschen sind der Ansicht, dass der Aktienmarkt nach der Erholung von den im März markierten Tiefs deutlich überbewertet ist. Glauben Sie, dass sich die Anleger aktuell über ihre Portfolios Sorgen machen sollten?


Jan van Eck: Ich glaube, die Anleger können sehr zuversichtlich sein, wenn es darum geht, ihre strategischen Allokationen in Aktien und Anleihen beizubehalten. Momentan kursieren einige äußerst negative Szenarios, von denen meiner Meinung nach allerdings keines eintreten dürfte. Lassen Sie mich meine Einschätzung erklären.


Meiner Ansicht nach werden die Märkte vor allem von einem Faktor beherrscht: Nichts ist ihnen mehr zuwider als Unsicherheit. Im März hatten wir es einfach mit sehr viel Unsicherheit zu tun – besonders mit Blick darauf, ob sich die Kurve der Infektionen verflachen ließe. Da nun offensichtlich ist, dass die Länder nach und nach genau dazu in der Lage waren – Sie können selbst urteilen, wie erfolgreich einzelne Länder dabei waren – wissen wir, dass dies jetzt hinter uns liegt. Somit ist auch die Ungewissheit an den Märkten gewichen. Wir verfügen in der Tat über ein hohes Maß an Visibilität in Bezug auf die Erholung von dieser Rezession.

Dem möchte ich nur noch schnell Folgendes hinzufügen: Wir sind so gut wie sicher, dass wir es mit einer Rezession (und keiner Depression) zu tun haben, da die Preise für Öl und Kupfer nicht unter ihre 2015 verzeichneten Tiefs fielen. Damals durchlief China im Grunde genommen eine Mini-Rezession. Sich über eine Depression Sorgen zu machen, ist daher meines Erachtens zum gegenwärtigen Zeitpunkt unrealistisch.


Jenna Dagenhart: Wenn Sie die aktuelle Situation als Rezession beschreiben, von welcher Größenordnung ist dabei auszugehen, und welche Art von Erholung können wir erwarten? Unlängst meinte [der Fed-Vorsitzende Jerome] Powell in einem Interview mit CBS 60 Minutes, dass sich seines Erachtens die Wirtschaft erholen wird. Dieser Prozess könnte aber bis zum Ende des nächsten Jahren dauern.


Jan van Eck: Nun, bekannt ist, dass die Arbeitslosigkeit derzeit große Schäden anrichtet. Ich würde daher einmal mehr betonen, dass sich der Marktkonsens im Großen und Ganzen mit unserer Einschätzung hier bei VanEck deckt. Damit meinen wir, dass in einigen Sektoren – in denen die Menschen von zu Hause aus arbeiten können – die Unternehmen überhaupt keine Rezessionsbedingungen erkennen können, etwa im Bereich Esports oder bei Amazon. Dann gibt es da andere Segmente wie Banken, die durchaus stark betroffen sind, weil es viele Zahlungsausfälle geben wird. Ebenfalls stark von der Situation beeinträchtigt ist offensichtlich der Energiesektor.


Aufgrund der Daten aus China wissen wir außerdem, dass es, solange es keinen Impfstoff gibt, einige Zeit dauern wird, bis die Menschen wieder bestimmte Aktivitäten aufnehmen. So beträgt das Fahrgastaufkommen bei den U-Bahnen in China lediglich 60 Prozent der normalen Niveaus des Vorjahres. Am Wochenende liegt das Aufkommen, das wohl auf Aktivitäten wie Unterhaltung und Ähnliches zurückzuführen ist, weiterhin nur bei 50 Prozent des Vorjahresniveaus. Wenn man also davon ausgeht, dass China uns um zwei Monate voraus ist, dann wissen wir, dass wir es mit einer sehr holprigen Erholung zu tun haben und es lange dauern wird, bis wir diese Krise überwunden haben. In Sachen Visibilität besteht im Gegensatz zu März mittlerweile aber mehr Sicherheit, weshalb ich nun auch zuversichtlicher an den Portfolioallokationen festhalte.


Jenna Dagenhart: Einige Leute behaupten, Gold könnte auf über USD 2.000 [je Feinunze] steigen. Was ist Ihre Meinung dazu?


Jan van Eck: Sowohl Merrill Lynch als auch Morgan Stanley haben sich entsprechend geäußert. Aus fundamentaler Sicht sprechen die negativen Realzinsen für eine Allokation in Gold, denn das Edelmetall konkurriert in einem gewissen Sinne mit diesen. Das wäre also der erste Grund. Zweitens gefällt den Anlegern Gold, weil sie sich Folgendes fragen: Wenn wir uns alle einig sind, dass die Rezession lange dauern wird, wie viel mehr müsste die Zentralbank dann noch an Anreizmaßnahmen ergreifen, um die Konjunktur anzukurbeln? Je stärker aber die Zentralbanken die Wirtschaft unterstützen, desto besser ist dies für Gold.


Der einzige Punkt, auf den ich in diesem Zusammenhang hinweisen möchte, ist, dass Gold aus technischer Sicht bei USD 1.800 je Feinunze eine wirklich hohe technische Hürde zu überwinden hat. Vor zehn Jahren scheiterte der Goldpreis drei Mal an dieser Marke. Ich bin kein Fachmann für technische Analysen und die für eine Anlage in Gold sprechenden fundamentalen Gründe habe ich bereits erwähnt. Solange Gold wie derzeit unter USD 1.800 notiert, sollten die Anleger eine maximale Allokation in dem Edelmetall anstreben. Diese liegt bei 5 bis 10 Prozent. Es ist noch nicht zu spät für den Einstieg in Gold. Ich sehe das so: Durchbricht der Goldpreis die Marke von USD 2.000 und setzt er zu einer handfesten Rally an, würde ich bei Gold allmählich einige Gewinne mitnehmen.


Jenna Dagenhart: Bestehen angesichts der aggressiven Anleihekäufe und Anreize der Fed Ihres Erachtens außerdem Chancen bei festverzinslichen Anlagen?


Jan van Eck: Ja, die gibt es meiner Meinung nach entlang des gesamten Spektrums. Ich möchte noch einmal betonen, dass ich etwas weniger vorsichtig bin, als andere Kommentatoren. Investment-Grade-Anleihen bieten sich an, aber es wird zu einer hohen Emissionstätigkeit in einigen der arg in Mitleidenschaft gezogenen Sektoren kommen. Auch die Kommunen werden viele Finanzmittel auftreiben müssen. Die Fed hat direkte oder indirekte Käufe angekündigt, sodass meines Erachtens mit einem starken Anziehen der Zinssätze kaum zu rechnen ist.


Ich spreche immer gerne auch ein wenig über China. In China sind die Zinssätze insgesamt gefallen. Der Unterschied besteht dieses Mal aber darin, dass sie auch für Unternehmen zurückgegangen sind. In den USA sind die Zinssätze für hochverzinsliche Titel hingegen bekanntermaßen sprunghaft angestiegen und sie befinden sich unvermindert auf erhöhten Niveaus. Wenn sich also das Umfeld in China besser gestaltet als in den USA, dann deutet auch das auf eine mögliche globale Erholung von dieser Rezession hin.


Jenna Dagenhart: Welche wesentlichen Marktfaktoren würden Sie betonen? Wie wirkt sich zu guter Letzt die Coronavirus-Pandemie Ihrer Ansicht nach außerdem auf die Märkte aus?


Jan van Eck: Wie bereits erwähnt, finde ich es derzeit interessant, die äußerst wachstumsstarken Sektoren zu beobachten. Es ist schon erstaunlich, wie Wachstumsaktien im bisherigen Jahresverlauf Substanzaktien einmal mehr hinter sich lassen. Dies beweist meines Erachtens, dass der Markt relativ intelligent ist, wenn es darum geht, den möglichen Verlauf der Rezession einzupreisen. Weiterhin ungewiss ist offensichtlich die Verfügbarkeit eines Impfstoffs. Meines Erachtens preist der Markt ein Szenario ein, bei dem ein Impfstoff bis zum Ende des laufenden Jahres verfügbar sein dürfte. Wie umfassend dieser Impfstoff verfügbar sein wird, das bleibt noch dahingestellt. Kommt es wesentlich schneller dazu, dann wäre das eine positive Überraschung. Im umgekehrten Fall hätten wir es mit einer negativen Überraschung zu tun. Das würde dann meines Erachtens wesentlich mehr Insolvenzen und Zahlungsausfälle in Sektoren bedeuten, die davon abhängig sind, dass die Menschen wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren und wieder reisen.


Jenna Dagenhart: Herr van Eck, vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Einsichten. Es war wirklich toll, dass Sie heute zu uns kommen konnten.


Jan van Eck: Hat mich gefreut, Sie wiederzusehen, Frau Dagenhart.


Jenna Dagenhart: Und vielen Dank fürs Zuschauen. Das war Jan van Eck, CEO von VanEck. Um regelmäßig Einsichten der Experten von VanEck zu erhalten, können Sie uns unter vaneck.com/subscribe abonnieren. Ich bin Jenna Dagenhart von Asset TV.