In Anleihen investieren

Video: Warum in Anleihen investieren?

Schauen Sie dieses edukative Video, um die Chancen und Risiken vom Investieren in Anleihen zu erfahren.

Als Anleger stehen Ihnen viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die Sie in Erwägung ziehen können. Eine häufig gewählte Option besteht darin, in Anleihen zu investieren. Im Rahmen unserer Publikationsreihe zu Investieren für Anfänger werfen wir einen Blick darauf, was eine Anleihe ist, welche verschiedenen Arten von Anleihen es gibt, welche Risiken der Anleihenmarkt birgt und wie man in Anleihen über die Börse investieren kann. In diesem Artikel widmen wir uns folgenden Themen:

  1. Was ist eine Anleihe?
  2. Arten von Anleihen
  3. Was ist der Anleihenmarkt und wie kann man in Anleihen investieren?
  4. Was sind die Vorteile und Risiken beim Investieren in Anleihen?
  5. Wie sind Bewertungen zur Kreditwürdigkeit zu interpretieren?
  6. Wie können Sie beim Investieren in Anleihen eine Rendite erzielen?
  7. Wie werden Anleihen durch die derzeit ultraniedrigen Zinssätze beeinflusst?
  8. Wie kann ich ein Depot mit Anleihen bzw. Anleihen-ETFs konstruieren?

Legen wir also los.

Was ist eine Anleihe?

Wenn Sie Aktien kaufen, erwerben Sie eine kleine Beteiligung an einem Unternehmen. Beim Investieren in Anleihen leihen Sie im Wesentlichen Geld an Unternehmen, Staaten oder Organisationen, die den geliehenen Betrag nebst Zinsen zurückzahlen.

Was ist eine Anleihe und wie funktioniert sie?
Quelle: VanEck.

Eine Anleihe ist ein handelbarer Schuldtitel, während es sich bei einer Aktie um einen Unternehmensanteil handelt. Unternehmen, Staaten oder Organisationen, die sich Geld leihen, geben im Gegenzug Schuldtitel aus: also Anleihen. Der Kreditgeber kann beschließen, den Schuldtitel an einen Dritten zu verkaufen, der damit den Anspruch auf die Zinszahlungen und den Darlehensbetrag erwirbt.

Beim Investieren in Anleihen weisen die meisten Anleihen einen festen Zinssatz auf, der als Kupon bezeichnet wird. Ferner haben die meisten Anleihen eine bestimmte Laufzeit, nach der der Darlehensbetrag zurückgezahlt werden muss. Es gibt kurzfristige Anleihen, die in der Regel in fünf oder weniger Jahren zurückgezahlt werden müssen, mittelfristige Anleihen, die in der Regel in fünf bis zwölf Jahren zurückgezahlt werden müssen, und langfristige Anleihen, die Laufzeiten von bis zu 30 Jahren oder mehr haben können.

Arten von Anleihen

Es gibt verschiedene Arten von Anleihen, die Ihnen für eine Investition zur Verfügung stehen, darunter:

Staatsanleihen

Dies sind, wie der Name schon sagt, Anleihen, die von einem Staat bzw. der Regierung eines Staates begeben werden. Die US-Regierung emittiert beispielsweise Staatsanleihen mit Laufzeiten von zehn bis dreißig Jahren. Staatsanleihen sind in der Regel die sicherste Art beim Investieren in Anleihen, da sie durch den Staat abgesichert sind. Natürlich sind einige Staaten stabiler als andere, weshalb in Schwellenländern und Frontier-Märkten begebene Anleihen risikoreicher sein können als Anleihen aus Industrieländern wie den USA, Japan oder Großbritannien.

Unternehmensanleihen

Hierbei handelt es sich um einen Schuldtitel, der von einem Unternehmen begeben wird. Wenn ein Unternehmen Mittel oder Kapital benötigt, kann es Anleihen emittieren. Das mit Unternehmensanleihen verbundene Risiko hängt von der allgemeinen Solidität des Unternehmens ab, was im Allgemeinen auch als Kreditwürdigkeit bezeichnet wird, worauf wir aber später in diesem Artikel noch eingehen werden.

Hypothekenanleihen

Hierbei handelt es sich um Anleihen, die durch Immobilienbestände besichert sind. Da der Anleihenemittent die Option hat, die Immobilie oder das Grundstück im Bedarfsfall zu verkaufen, kann das Risiko dieser Art von Anleihe geringer sein als das von Unternehmensanleihen. Natürlich sind bei einem geringeren Risiko in der Regel auch die Renditen niedriger. Außerdem waren Hypothekenanleihen, wie wir uns alle erinnern, während der Immobilienkrise 2008 keine besonders sichere Wette, da viele Anleihen mit hochriskanten Hypotheken, den sogenannten Subprime Loans, besichert waren.

Was ist der Anleihenmarkt und wie kann man in Anleihen investieren?

Anleger können Chancen auf dem Aktienmarkt oder dem Anleihenmarkt für Ihre Finanzen nutzen. Hierbei handelt es sich einfach um Märkte und Börsen, an denen Anleihen und Aktien verkauft oder emittiert werden. Am Aktienmarkt gibt es mehrere Börsen, an denen Aktien gekauft oder verkauft werden. Beispiele hierfür sind die New York Stock Exchange, die American Stock Exchange und die Nasdaq.

Wenn es um Anleihen geht, ist der Anleihenmarkt der Marktplatz, auf dem man Schuldtitel kaufen kann bzw. in Anleihen investiert. Normalerweise arbeiten Anleger entweder mit einem Broker oder mit einer Online-Brokerfirma zusammen, um Anleihen zu kaufen. Gewöhnlich müssen Sie beim Investieren in Anleihen eine hohe Mindestinvestition tätigen, was einige Anleger von Anlagen in solchen Wertpapieren abhalten kann.

Wenn Sie jedoch Anleihen über einen aktiv gemanagten Fonds oder einen Anleihen-ETF (börsengehandelter Fonds) kaufen, können Sie diese auch für einen geringeren Betrag erwerben. Darüber hinaus hat ein Fonds oder Anelihen-ETF in der Regel mehrere Anleihen, wodurch die Anlage diversifiziert wird. Bei einer Diversifizierung geht die Anlage mit einem verhältnismäßig geringeren Risiko einher als beispielsweise beim Investieren in Anleihen, die von nur einem Unternehmen begeben werden.

Was sind die Vorteile und Risiken beim Investieren in Anleihen?

Im Allgemeinen besteht der wichtigste Vorteil beim Investieren in Anleihen darin, dass sie im Vergleich weniger riskant sind als Aktien. Im Insolvenzfall muss ein Unternehmen zunächst die Anleiheninhaber und sonstigen Gläubiger und danach erst die Aktionäre entschädigen.

Dieses geringere Risiko hat natürlich auch einen Nachteil: Die mit Anleihen verbundene Risikoprämie ist niedriger, was dazu führt, dass ihre erwartete Rendite langfristig niedriger ist als die von Aktien. In Anleihen investieren bedeutet, dass die Renditen eines erfolgreichen Unternehmens im Fall von Anleihen nicht so hoch ausfallen dürften wie die Renditen, die über die Aktien dieses Unternehmens zu erzielen wären. Anleihen und Anleihen-ETFs versprechen feste Zinszahlungen, während der Wert von Aktien mit dem Wertzuwachs des Unternehmens steigt.

Die wichtigsten Risiken beim Investieren in Anleihen und Anleihen-ETFs sind folgende:

Kreditrisiko

Dabei handelt es sich um das Risiko, dass der Emittent den Darlehensbetrag (bzw. einen Teil davon) nicht zurückzahlt und/oder die Kupons (Zinsen) nicht zahlt. Häufig wird gesagt, dass Staatsanleihen ein geringeres Kreditrisiko haben als Unternehmensanleihen. Dies liegt daran, dass eine Regierung die Steuern erhöhen kann, wenn sie mehr Geld benötigt. Allerdings lassen sich aus der Vergangenheit auch genügend Beispiele finden, in denen Staaten ihre Anleihen nicht (vollständig) zurückgezahlt haben. Dieses Risiko ist in den Schwellenländern deutlich höher.

Zinsrisiko

Damit wird das Risiko bezeichnet, dass der Wert der Anleihe sinkt, wenn die Marktzinssätze steigen. Der Wert einer Anleihe mit festem Kupon (festem Zinssatz) bewegt sich entgegen den Zinssätzen. Der Grund dafür ist, dass Investoren bei einem Anstieg der Marktzinssätze eine neue Anleihe mit einem höheren Kupon erhalten können. Dadurch verringert sich automatisch der Wert der bereits ausgegebenen Anleihen mit einem niedrigeren Kupon. Umgekehrt steigt der Wert einer festverzinslichen Anleihe, wenn die Marktzinssätze fallen.

Zinsrisiko: Der Preis steht in einem umgekehrten Verhältnis zur Entwicklung der Zinssätze. Zinssätze sinken, Preise steigen und umgekehrt

Quelle: VanEck. Die Abbildung berücksichtigt lediglich die Auswirkungen des Marktzinsniveaus auf den Anleihenkurs und lässt andere Kriterien, die den Anleihenkurs unter Umständen negativ beeinflussen, außer Acht.

Hier ein einfaches Beispiel zur Erläuterung: Sie investieren in Anleihen mit einem Zinssatz von 1%, wobei wir annehmen, dass dieser Zinssatz den aktuellen Marktzinssätzen entspricht. Steigen die Marktzinssätze auf 1,5%, dann können die Anleger Anleihen mit einem Zinssatz von 1,5% kaufen. Diese Anleihen werden, sobald sie die Fälligkeit erreichen, mehr auszahlen als Ihre Anleihe, ganz einfach weil die Zinssätze gestiegen sind. Obschon der Anleihenmarkt natürlich etwas komplizierter ist, als dieses Beispiel nahelegt, drückt dies in einfachen Worten aus, wie die Entwicklung von Zinssätzen den Wert Ihrer Anlage beeinflussen kann.

Währungsrisiko

Anleger, die Anleihen kaufen, die in einer Fremdwährung begeben werden, gehen ein Währungsrisiko ein. Angenommen, Sie investieren in eine Anleihe, die auf den US-Dollar lautet, und der Euro steigt im Verhältnis zum US-Dollar im Wert. In diesem Fall sinkt der Wert Ihrer Anlage, in Euro gerechnet. Natürlich funktioniert dieses Risiko auch anders herum. Wenn der Euro fiele, dann würde der Wert Ihrer auf den US-Dollar lautenden Anleihe steigen.

Wie sind Bewertungen zur Kreditwürdigkeit zu interpretieren?

Um Anlegern beim Investieren in Anleihen dabei zu helfen, die besten Entscheidungen für ihre Depots zu treffen, werden Anleihen von Ratingagenturen wie Standard and Poor's, Fitch und Moody's bewertet. Diese Unternehmen liefern eine Einschätzung zum Kreditrisiko einiger Anleihen. Sie fassen ihre Bewertung in einer Einstufung zusammen: AAA hat dabei die höchste Kreditwürdigkeit. C und D die niedrigste (diese werden auch häufig als Junkbonds oder Schrottanleihen bezeichnet). Aber aufgepasst! In der Vergangenheit sind auch schon Unternehmen mit hoher Kreditwürdigkeit insolvent geworden. Die Ratingagenturen haben also kein Monopol auf die Wahrheit!

swipe
Bewertung Fitch S&P Moody's Beschreibung (Moody's)
Investment Grade AAA AAA Aaa Minimales Kreditrisiko
AA+
AA
AA-
AA+
AA
AA-
Aa1
Aa2
Aa3
Sehr geringes Kreditrisiko
A+
A
A-
A+
A
A-
A1
A2
A3
Geringes Kreditrisiko
BBB+
BBB
BBB-
BBB+
BBB
BBB-
Baa1
Baa2
Baa3
Moderates Kreditrisiko
Unterhalb von Investment Grade BB+
BB
BB-
BB+
BB
BB-
Ba1
Ba2
Ba3
Erhebliches Kreditrisiko
B+
B
B-
B+
B
B-
B1
B2
B3
Hohes Kreditrisiko
CCC+
CCC
CCC-
CCC+
CCC
CCC-
Caa1
Caa2
Caa3
Sehr hohes Kreditrisiko
CC
C
CC
C
Ca In oder kurz vor dem Verzug, mit der Chance, nur einen Teil des Kreditbetrags zurückzuerhalten
DDD
DD
D
SD
D
C In oder kurz vor dem Verzug, mit geringfügiger Chance, nur einen Teil des Kreditbetrags zurückzuerhalten



Wie können Sie beim Investieren in Anleihen eine Rendite erzielen?

Bei einer Investition in Anleihen gibt es zwei Möglichkeiten, wie Sie eine Rendite erzielen können:

Kuponrendite

Dies ist die Rendite, die sich aus den periodischen Zinszahlungen ergibt.

Kursrendite

Dies ist die Rendite, die erzielt wird, wenn der Marktwert der Anleihe, in die investiert wurde, steigt. Gründe dafür können folgende sein:

  • Ein reduziertes Kreditrisiko des Emittenten. Zum Beispiel aufgrund einer verbesserten Konjunktur, Verbesserungen auf betrieblicher Ebene des Emittenten oder weil die Anleihe sich dem Ende ihrer Laufzeit nähert und somit die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls sinkt.
  • Sinkende Marktzinssätze.

Hinweis: Wie oben beschrieben, kann die Kursrendite auch negativ sein. Wenn sich beispielsweise das Kreditrisiko erhöht oder die Zinssätze steigen, könnte es zu einer negativen Kursrendite kommen.

Wenn das Kreditrisiko steigt, könnte die Kursrendite negativ sein. Kreditrisiko steigt = Zinssätze steigen = Kurse sinken

Quelle: VanEck. Die Abbildung berücksichtigt lediglich die Faktoren Zinssätze, Kursniveau und Anleihenrendite und lässt andere Kriterien, die den Anleihenkurs potenziell negativ beeinflussen könnten, außer Acht.

Wie werden Anleihen durch die derzeit ultraniedrigen Zinssätze beeinflusst?

Für Anleger, die in Anleihen investieren, sei es direkt oder mit Anleihen-ETFs, herrschen derzeit zweifelsohne beispiellose Zeiten vor. Auf Euro lautende Staatsanleihen mit einer Kreditwürdigkeit von AAA und einer Laufzeit von bis zu 25 Jahren weisen momentan einen negativen Zinssatz auf.

Rendite von auf Euro lautenden Staatsanleihen mit einem Rating von AAA

Rendite von auf Euro lautenden Staatsanleihen mit einem Rating von AAA, die negative Renditen aufweisen.
Quelle: EZB Europa. Stand: 30. September 2020.

Das bedeutet, dass Sie Geld zahlen müssen, wenn Sie eine erstklassige Euro-Staatsanleihe bis zum Ende ihrer Laufzeit halten wollen! Im Übrigen bedeutet dies nicht an sich, dass Sie einen Verlust erleiden werden. Sie könnten auch einen Kursgewinn erzielen, wenn die Marktzinssätze weiter fallen und Sie die Anleihe vor Ende der Laufzeit verkaufen.

Unternehmensanleihen werden von den aktuell ultraniedrigen Zinssätzen ebenfalls beeinflusst. Die Zinsen auf Anleihen äußerst solventer Unternehmen wie Novartis sind ebenfalls negativ (Stand: 11. März 2021).

In den Schwellenländern hingegen können Sie derzeit noch höhere Renditen erzielen. Damit nehmen Sie natürlich ein erhöhtes Kreditrisiko in Kauf, und Sie gehen in der Regel auch ein Währungsrisiko ein. Zu den Schwellenländern gehören unter anderem Mexiko, Russland, China, Brasilien, Indien, die Türkei und Indonesien.

Wie kann ich ein Depot mit Anleihen bzw. Anleihen-ETFs konstruieren?

Wenn Sie das Risiko in Ihrem Depot reduzieren möchten, könnten Sie beispielsweise einen Teil Ihres Depots in Anleihen investieren. Sie könnten Ihre Anleihenallokation über Staatsanleihen und Unternehmensanleihen diversifizieren und in beiden Kategorien regionenübergreifend anlegen.

VanEck bietet Anleihen-ETFs in den folgenden Kategorien an:

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie auf Anfrage: