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REMY BLAIRE: Willkommen bei Asset TV. Ich bin hier an der New York Stock Exchange und heute ist mein Gast Jan van Eck, CEO von VanEck. Herr van Eck, schön, dass Sie heute bei uns sind.

JAN VAN ECK: Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein.

BLAIRE: Wir befinden uns am Ende des zweiten Halbjahrs (sic) und nun geht es in die zweite Jahreshälfte. Am weiter gefassten Aktienmarkt hat sich viel getan und wir haben eine gewisse Vorstellung davon, wie sich die Geldpolitik der Zentralbank hier in den USA entwickeln wird. Warum also möchten Sie sich zu diesem Zeitpunkt auf festverzinsliche Anlagen konzentrieren?

VAN ECK: Also, nochmals danke, dass ich hier bei Ihnen sein darf. Zunächst einmal denke ich, dass Aktien einen hervorragenden Lauf und einen tollen Juni hatten. Im bisherigen Jahresverlauf liegt der S&P fast 19% im Plus. Angesichts der Tatsache, dass die Gewinne eigentlich gar nicht so stark anziehen, hat der Index zwei wirklich gute Jahre hinter sich. Wenn jemand nicht zufrieden ist mit seinem Aktienportfolio, hat er oder sie wirklich ein Problem. Ich glaube, dass man sich seine festverzinsliche Komponente im Portfolio anschauen sollte. Meiner Meinung nach stellt sich die Frage: Was sollte ich mit festverzinslichen Papieren tun, nachdem die Zinsen im letzten Monat so deutlich eingebrochen sind? Auf diese Frage möchte ich mich also konzentrieren. Einige Anleger erwägen, bei Anleihen auf einen konservativeren Ansatz umzuschwenken. Der Grund dafür ist ihre Befürchtung – und ich bin da anderer Ansicht –, dass die niedrigeren Zinsen Vorbote einer globalen Rezession sind. Und deshalb möchten sie nicht in Hochzinspapiere oder in aggressivere festverzinsliche Titel investieren. Ich sage dazu: Das ist ein falscher Ansatz. Mein Eindruck ist, dass die Anleger seit der Finanzkrise bei ihren festverzinslichen Portfolios viel zu vorsichtig agieren. Nach der Finanzkrise begann alle Welt in Kurzläufer und in das Segment mit hoher Qualität zu investieren. Die Opportunitätskosten der Aktienhausse, die sie verpasst haben, sowie die Renditen hochverzinslicher Papiere im festverzinslichen Bereich waren erheblich. Ich glaube nicht, dass die Welt nun zusammenbricht. Anleger sollten sicherstellen, dass sie in ihren festverzinslichen Portfolios im Hinblick auf Bonitätsrisiken und Durationsrisiko ausreichend Risiken eingegangen sind.

BLAIRE: Sie haben da einige wichtige Punkte angeführt. Tatsächlich ist ein Anziehen der Aktienkurse zu beobachten. Gleichzeitig markieren die Anleihenrenditen sowohl in Europa als auch in den USA Rekordtiefs oder stehen kurz davor. Und es gibt einige interessante Preisentwicklungen. Aber man sollte auch nicht die Fundamentaldaten aus den Augen verlieren. Was halten Sie also davon, was wir von den globalen Zentralbanken gesehen und gehört haben, und welche Auswirkungen hat dies auf festverzinsliche Anlagen?

VAN ECK: Nun, ich komme immer wieder darauf zurück: Die USA sind wichtig. Ich möchte diesen Punkt nicht kleinreden, aber auch China sollte man nicht vergessen. Seit letztem Sommer lanciert die chinesische Regierung konjunkturfördernde Maßnahmen. Der dortige Purchasing Managers’ Index (PMI) hat gerade den positiven Höhepunkt erreicht und danach ist der PMI für das verarbeitende Gewerbe … leicht unter 50 Zähler gefallen. Mit dem letzten Wert wurde also die Expansionsschwelle leicht unterschritten. Die chinesische Regierung kurbelt indes das Wachstum im Reich der Mitte an. Auch sie sorgt sich um den Handelskrieg. Meine These in diesem Zusammenhang lautet: Solange es China gut geht, und das tut es meiner Meinung nach, wird es zu keiner weltweiten, starken Rezession kommen. Wie Sie wissen, ist in Europa definitiv eine Abschwächung zu beobachten, und es gibt weitere Probleme. Aber all dies ist kein Grund, um aus Anleihen auszusteigen. Der Grund für meine Einschätzung? Man sollte das Risiko in seinem festverzinslichen Portfolio nicht übermäßig reduzieren. Das ist meine aktuelle Botschaft.

BLAIRE: Und das führt unmittelbar zu meiner nächsten Frage. Was sollten Anleger mit Blick auf festverzinsliche Anlagen also unternehmen?

VAN ECK: Man sollte schauen, wo sich Renditen vorfinden lassen. Die Rendite hochverzinslicher US-Papiere ist nicht schlecht. Ich glaube, bei den kurzen Laufzeiten bieten Kommunalanleihen und andere Bereiche etwa 1%. Dort gibt es kein Wertschöpfungspotenzial. Ich würde aus diesen Bereichen also komplett aussteigen. Man könnte sogar in Papiere mit variablen Zinsen anlegen. Wir haben einen ETF mit variablen Zinsen. Mit variablen Zinsen lässt sich eine Rendite von fast 3% erzielen und das ist eine etwas seltsame Fehlbewertung. Der Renditeeinbruch steht besonders bei den kurzen Laufzeiten für eine Wertzerstörung. Man sollte bei hochverzinslichen Papieren und Schwellenländer-Anleihen bleiben, denn diese bieten nach wie vor eine ordentliche Rendite. Und wenn man sehr konservativ zu Wege gehen möchte, dann kann man variable Verzinsungen wählen. Das kurze Ende der Kurve ist einfach nicht besonders attraktiv.

BLAIRE: Bei Diskussionen über festverzinsliche Anlagen wird interessanterweise häufig auch vergessen, dass dies eine ziemlich große Anlagekategorie ist. Es gibt also reichlich Risiken und Chancen. Nun, da wir den Rest des Jahres 2019 beginnen, worauf schauen Sie besonders?

VAN ECK: Ich glaube der Carry, einfach nur die höheren Zinsen, werden sich als gut genug herausstellen. Die Aktien haben in diesem Jahr 19% zugelegt, aber nach einem offensichtlich schwierigen Schlussquartal. Dabei wachsen die Gewinne gar nicht so stark. Und die U.S. Federal Reserve (Fed) hat bereits eine akkommodierende Haltung signalisiert, und das macht auch Sinn. Die U.S. Federal Reserve strafft ihre Geldpolitik vor einer Präsidentschaftswahl nur selten, unabhängig davon, wer gerade im Amt ist. Ich bin also nicht sicher, welche große, positive Überraschung für Aktien noch kommen könnte. Deshalb sage ich: Anleger sollten auf ihre festverzinslichen Anlagen schauen und sicherstellen, dass dieser Teil ihres Portfolios ansehnliche Renditen erwirtschaftet.

BLAIRE: Herr van Eck, zu guter Letzt, wir befinden uns in einem spätzyklischen Markt. Angesichts des Geschehens am weiter gefassten Aktienmarkt und der globalen Fundamentaldaten werden Sie China sicherlich ganz besonders im Auge behalten. Es gibt alternative Anlagen. Was sollten Anleger, die ihr Portfolio diversifizieren möchten, also unternehmen?

VAN ECK: Wir konzentrieren uns auf Gold als hervorragendes Instrument zur Diversifizierung. Und vorher haben Sie nach Europa und der Zentralbank gefragt. Es gibt bei festverzinslichen Papieren ein enormes Volumen von USD 12 Billionen, die negative Renditen abwerfen. Gold hat gerade ein technisches Hoch der letzten sechs Jahre durchbrochen und scheint daher sehr attraktiv. Wir glauben, dass die Gold-Rallye nicht nur Monate, sondern Jahre dauern könnte. Das ist also, was ich mir in der Kategorie alternativer Anlagen anschauen würde. Bei festverzinslichen Titeln müsste man gar keine Kunststücke vollbringen, um einen Renditeaufschlag zu erhalten. Es gibt viele ETFs. Darunter Geschäftsentwicklungsgesellschaften, es gibt das Hochzinssegment, es gibt die Schwellenländer und auf USD basierende Unternehmensanleihen, sodass man nicht einmal ein Währungsrisiko eingehen muss. Es gibt also viele Renditealternativen und man sollte sich diese genau anschauen. Das ist meine Botschaft an die Anleger.

BLAIRE: Vielen Dank Herr van Eck, dass Sie bei uns waren, und ich bedanke mich auch für alle Ihre Einschätzungen, die Sie heute besprochen haben.

VAN ECK: Ich habe zu danken, Herr Blair.

BLAIRE: Heute war Jan van Eck, CEO von VanEck, bei uns zu Gast. Vielen Dank fürs Zuschauen.