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21 September 2026
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2026 markiert ein Wendejahr für die globale Technologiebranche. Eine Welle aufsehenerregender Börsengänge hat die US-Märkte erfasst. Der rekordverdächtige Börsengang von SpaceX brachte das Weltraum-Thema in den Mainstream. Mit Quantinuum ging erstmals ein Unternehmen für kommerzielles Quantencomputing auf klassischem Weg an die Börse. Nun bereitet das KI-Unternehmen Anthropic, das zuletzt mit rund 965 Milliarden US-Dollar bewertet wurde, seinen Börsengang vor, mit einer möglichen Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar1.
Doch während der Westen auf diese Spektakel blickt, schreibt China still seine eigene Geschichte. Speicherchiphersteller CXMT feierte den größten chinesischen Börsengang seit 2010, Robotik-Pionier Unitree und KI-Unternehmen Zhipu folgten mit beachtlichen Debüts, und mit DeepSeek könnte schon 2027 der nächste große Name an die Börse drängen.²
Für Technologieanleger außerhalb Chinas lohnt sich ein Blick auf diesen Trend. Um demografische und geopolitische Herausforderungen zu bewältigen, baut China stetig eine hochwettbewerbsfähige Technologiebranche auf, von KI und Robotik bis hin zu Chips, Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energien. China konkurriert zwar mit den Vereinigten Staaten, stützt sich aber zunehmend auf eine eigene Lieferkette. Das könnte eine echte Diversifizierung gegenüber US-Technologiewerten bieten. Allerdings steht die Entwicklung noch am Anfang. Viele der Unternehmen, die diese Welle antreiben, sind jung und haben ihre dauerhafte Profitabilität noch nicht unter Beweis gestellt. Zudem legten mehrere der meistbeachteten Debüts des Jahres 2026 zum Handelsstart stark zu, bevor sie einen Großteil dieser Gewinne wieder abgaben – genau wie in den USA.
Not macht erfinderisch, China steht gleich vor zwei Herausforderungen. Zum einen muss das Land der demografischen Falle entkommen, die Japan ab den 1990er-Jahren in eine jahrzehntelange Stagnation geführt hat. Zum anderen muss es die US-Exportbeschränkungen für Hochleistungschips umgehen.
Chinas Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter hat bereits 2015 ihren Höchststand erreicht und dürfte mit der Alterung der Gesellschaft weiter schrumpfen. Der Anteil der über 65-Jährigen wird bis 2050 voraussichtlich von 15% (2026) auf 31% steigen. Gleichzeitig dürfte die Gesamtbevölkerung von 1,4 auf 1,26 Milliarden Menschen zurückgehen. China muss daher durch technologische Innovation produktiver werden, um eine Stagnation wie in Japan zu vermeiden3.
Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren, 1990–2050
Quelle: Vereinte Nationen, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2024). World Population Prospects 2024, Datei POP/06-1, mittlere Variante. Schätzungen 1990–2023, Projektionen 2024–2050. China = UN-Ländercode 156 (ausgenommen Sonderverwaltungsregion Hongkong, Sonderverwaltungsregion Macao und Provinz Taiwan). Welt = Code 900. Hocheinkommensländer = Code 1503, Einkommensklassifizierung der Weltbank, wie von UN DESA am 8. Mai 2024 abgerufen; Gruppenzugehörigkeit über die gesamte Reihe fixiert.
Mit Blick auf Chinas Streben nach Eigenständigkeit gilt: Anders als die US-Technologiebranche, die auf Vorprodukte aus aller Welt zurückgreift, baut China zunehmend eine eigene Lieferkette auf. Die US-Exportkontrollen sollten Chinas Zugang zu modernen Halbleitern erschweren. Ungewollt haben sie jedoch dazu geführt, dass Peking den Aufbau einer eigenen Chipindustrie beschleunigt hat4.
Im 15. Fünfjahresplan (2026 bis 2030) hat Peking dieses Ziel ins Zentrum seiner nationalen Strategie gerückt: weniger Abhängigkeit von ausländischer Technologie, dafür Unabhängigkeit und eine Führungsrolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von KI über Halbleiter bis zur Robotik5.
Bei KI, der wohl wichtigsten Schlüsseltechnologie unserer Zeit, liegt China zwar noch hinter den USA zurück, holt aber rasch auf. In einer Reihe anderer Bereiche ist das Land nach Stückzahlen bereits klarer Marktführer. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Robotik: Auf chinesische Hersteller entfielen im ersten Halbjahr 2026 mehr als 97% der weltweit ausgelieferten humanoiden Roboter, wenn auch bei noch geringen Stückzahlen. Zudem hat Unitree kürzlich einen Roboter vorgestellt, der nach Unternehmensangaben schneller sprinten kann als Usain Bolt6.
Bei sauberen Energien ist China schon seit Langem dominant. In der Photovoltaik entfallen über alle Fertigungsstufen hinweg, vom Polysilizium bis zum fertigen Modul, mindestens 80% der weltweiten Kapazität auf China7.
Chinas Anteil an der weltweiten Produktion in ausgewählten Technologien
Quellen: Batteriezellenfertigung und Elektrofahrzeugproduktion: IEA, Global EV Outlook 2026. Solarfertigung: IEA, Chinas Anteil an der globalen PV-Fertigungskapazität, 2024 und 2030. Die Angaben beziehen sich auf Chinas Anteil an der weltweiten Produktion oder Fertigungskapazität, 2024 bis 2026. Die Anteile sind ungefähre Angaben.
Zudem hat China eine globale Führungsrolle in der Lieferkette für Elektrofahrzeuge aufgebaut und kontrolliert fast 85% der weltweiten Produktionskapazität für Batteriezellen. Auch bei Kathoden- und Anodenmaterialien hält das Land erhebliche Anteile8.
Hier zeigt sich Chinas Industriestrategie in der Praxis. Wenn sich China auf eine Branche festlegt, dann in großem Maßstab und entlang der gesamten Lieferkette. Dieser Ansatz eignet sich besonders für den Technologiesektor, da KI stark von Halbleitern abhängt und die Robotik von beidem. Allerdings hat die Führungsposition bei den Produktionsmengen bislang nicht zu einem Vorsprung in der Spitzentechnologie geführt, insbesondere bei KI und modernsten Chips.
Für westliche Anleger mit Fokus auf US-Technologie lässt sich Chinas Technologiebranche kaum noch übersehen. Das Land entwickelt sich in vielen Bereichen rasch weiter und ist in einigen bereits führend. Zudem unterscheidet sich Chinas Technologiebranche durch ihre zunehmend eigene Lieferkette deutlich vom US-KI-Sektor, was eine echte Diversifizierung bieten könnte.
Chinas Aktienmärkte sind jedoch bekanntermaßen volatil, und dieses Anlagethema birgt Risiken, die nicht unterschätzt werden sollten. Chinas Führungsposition in einigen Bereichen ist unbestritten, doch seine Ambitionen in anderen, insbesondere bei Spitzen-KI und Halbleitern, könnten erst in einigen Jahren Wirklichkeit werden oder hinter den Erwartungen zurückbleiben. Anleger sollten zudem China-spezifische Risiken berücksichtigen, etwa Regulierung und staatliche Eingriffe, geopolitische und Sanktionsrisiken, Währungsrisiken und Einschränkungen beim Marktzugang sowie das Konzentrationsrisiko, das mit der Anlage in einem einzelnen Land einhergeht. Aus diesen Gründen ist eine langfristige Perspektive wichtig. Wir bei VanEck werden die Entwicklungen auf diesem schnelllebigen Technologiemarkt in den kommenden Monaten weiter verfolgen.
1 Financial Times, August 2026, „Anthropic Is Reportedly Aiming for a Valuation of $2 Trillion or More“
2 CNBC und Börsenmeldungen: CXMT-Markteinführung, Juli 2026; Unitree-Notierung am STAR Market, August 2026; Zhipu-Notierung in Hongkong, Januar 2026. Berichtete Vorbereitungen von DeepSeek für eine Notierung in Shanghai: Bloomberg und Financial Times, Juli bis September 2026.
3 Vereinte Nationen, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2024).
4 Brookings Institution. „The US Is Out of the AI Chip Market in China“, Juli 2026.
5 Congressional Research Service. China’s 15th Five-Year Plan: Science, Technology, and Economic Priorities, April 2026.
6 Smart Analytics Global-Daten, berichtet von Bloomberg, August 2026.
7 IEA. „China’s share in global PV manufacturing capacity, 2024 and 2030.“
8 IEA. Batteries and Secure Energy Transitions: Status of Battery Demand and Supply, 2024.
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